Goldi

Verloren in einer einsamen Wüstenwelt macht ein unglücklicher Mann seinem Kummer Luft und erfährt Anteilnahme von Mutter Natur. In Gestalt der Hollermutter nimmt sie das Schicksal des unglücklichen Mannes in ihre Finger. Sie kleidet ihn in einen orangen Mantel und schickt ihn auf eine abenteuerliche Reise. In wandelnder Gestalt und Charaktere begleitet sie den Mann beharrlich und sorgt dafür, dass er seine Lebensfreude zurück zu erobern beginnt.

 

Das Theaterstück schöpft verschiedene Motive aus dem Leben und Werk des Künstlers Karl Uelliger.

 

Seine Sprüche, Texte und Bildtitel liefern den inhaltlichen Boden für die Gestaltung von Puppen, Bühnenbild und Kostüm, sowie für die Geschichte selbst. Wie in seiner Malerei nehmen im Stück innere und äussere Realität Gestalt an. Die gelungene Verbindung dieser Ebenen führt zu einer schwebenden Leichtigkeit der Inszenierung und vermag jene sinnlich mystische Erlebniswelt zu widerspiegeln, von der des Künstlers Werk erzählt.

 

Karl Uelliger war Maler, Zeichner, Aquarellist, Kinderbuchillustrator, Figuren- und Reliefschnitzer, Holzschneider und überhaupt ein rundum Kreativer. Er malte alles an, was ihm unter die Pinsel kam, Alltagsgegenstände, Gebrauchsmöbel, sein grosses Bauernhaus in Dicken, innen wie aussen. Er verwandelte Abfall zu Kunst (die «Schüürlilüt», menschengrosse Figuren aus Holz- Blech- und Textilabfällen die den Dachstock seiner Scheune bevölkerten). Er war ein «Spracherfinder»: Seine Wortschöpfungen schmückten als nachgeprägte, erläuternde Titel die Bilder und verselbständigten sich zu einer skurrilen Poesie: «Talkommer», «Windhosensammler», «Wetternachhersager» lauten einige Titel von Holzschnitten, die zeigen, dass Uelliger von morgens bis abends nie aufhörte, Kunstschaffender zu sein.

 

«Am 15. April 1914 im Spital Saanen, Berneroberland, habe ich das erste Mal nach Muttermilch geschrieen und bekam sie nicht, weil meine Mutter zu schwach war. Somit musste ich, wenn ich am Leben bleiben wollte, aus der Flasche trinken. Das geschah wahrscheinlich als erster Hinweis, dass man sich fügen muss im Leben.

 

Ich wuchs als Armenkind heran und musste dann leider in die Schule. Die guten Lehrerinnen hatten ihre Plage, mich, wenigstens für einige Minuten, in der engen Schulbank zur Ruhe zu zwingen. Nach meinen neun Jahren Primarschule bestieg ich einen Kahn, der mich in ungestümen Wellenfahrten immer wieder zum Stranden zwang. Trotz allem versuchte ich auch immer wieder, den Pinsel zu führen, so gut es eben die hohe See zuliess. Mit 42 Jahren jedoch wurde die Malerei für mich eine ganz ernste Sache. Dank meiner lieben Frau stand jetzt auf dem Wegweiser gross geschrieben: ‹Nach dem hohen Berg der Malerei›.

 

Ich bezweifle, ob ich den Hauptgipfel je erreichen werde. Aber doch hoffe ich wenigstens einige Vorgipfel zu bezwingen. Da ich Autodidakt bin, ersteige ich Etappen am eigenen Seil. Eine der Hauptaufgaben der Malerei sehe ich darin, Freude zu machen.»

 

(Von Karl Uelliger 1914 – 1993)

 


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